Fachtagung zur BWK-Handelsausbildung mit Aufenthalten in England und der Türkei
03.12.2009: Bundesagentur für Arbeit: Programme für Migranten gewinnen an Bedeutung
Mit einer Fachtagung in feierlichem Rahmen hat das BWK BildungsWerk in Kreuzberg am 1. Dezember den Auftakt der im September gestarteten bilingualen Handelsausbildung begangen. 24 angehende Kaufleute im Einzelhandel bzw. im Groß- und Außenhandel aus sieben Herkunftssprachen absolvieren während ihrer Ausbildung am BWK Praktika sowohl in der englischen Küstenstadt Torquay als auch im türkischen Istanbul. Die geladenen Partner sicherten ihre Unterstützung zu und lobten den erheblichen Planungsaufwand, den das BWK zur Umsetzung des Ausbildungsprojektes auf sich nimmt.
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Foto: Milan Gonzales |
"Wir müssen etwas tun, um die hohe Arbeitslosigkeit besonders unter türkischen Jugendlichen in den Griff zu bekommen", sagte Ahmet Nazif Garibagaoglu, Botschaftsrat an der Türkischen Botschaft in Berlin, in seinem einleitenden Grußwort. BWK-Geschäftsführer Nihat Sorgec unterstrich, das Ausbildungsprojekt diene zum einen der Verbesserung der Chancen junger Migranten auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. "Zum anderen ist die Türkei ein wichtiger Handelspartner für uns", so Sorgec, der sich ehrenamtlich als Vizepräsident der Türkisch-Deutschen IHK engagiert. "Im Import/Export-Geschäft sind Mitarbeiter gefragt, die beide Sprachen sprechen und beide Kulturen kennen. Zudem expandieren deutsche Unternehmen zunehmend in die Türkei. Da findet ein Wandel statt: Die nichtdeutsche Muttersprache wird nicht mehr als Bedrohung, sondern als Bereicherung angesehen und gefördert. So tragen wir zur Schaffung personeller Rahmenbedingungen bei, die die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder verbessern."
"Der deutsche Arbeitsmarkt ist einer der schwierigsten für Migranten", weiß Michael van der Cammen, Referent in der Stabsstelle für internationale Beziehungen der Bundesagentur für Arbeit. "Ausbildung hat in Deutschland einen so hohen Stellenwert wie in keinem anderen Land." Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund hätten in der Bundesagentur für Arbeit in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, so van der Cammen. Er selbst habe zu Beginn seiner Tätigkeit etwa ein Zehntel seiner Arbeitszeit auf Projekte für Migranten verwandt, inzwischen sei es ungefähr die Hälfte.
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Foto: Milan Gonzalez |
Die XENOS-geförderte bilinguale Handelsausbildung wird unterstützt von den JobCentern Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Marzahn-Hellersdorf. Durch die positiven Erfahrungen aus der vor drei Jahren mit Unterstützung des JobCenters Friedrichshain-Kreuzberg gestarteten Hotelfachmann-/ -frauausbildung mit Aufenthalt im türkischen Antalya hatte das BWK das Vertrauen weiterer JobCenter gewinnen können.
Interkulturelle Kompetenz fördern - auch bei den Multiplikatoren
Im Zentrum der bilingualen Ausbildung am BWK steht die Förderung der Bilingualität und Bikulturalität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Viele zweisprachig aufwachsende Jugendliche beherrschen keine der beiden Sprachen auf geschäftsfähigem Niveau. Daher gehört eine Sprachförderung sowohl in der internationalen Handelssprache Englisch als auch im Türkischen als fester Bestandteil zur Ausbildung.
In interkulturellen Trainings lernen die Beteiligten außerdem, sich ihrer oft durch negative Erfahrungen geprägten Verhaltensmuster im Umgang mit der anderen Kultur bewusst zu werden. Nicht nur den Auszubildenden, sondern auch den Lehrern am OSZ Handel I sowie den Beratern der JobCenter bietet das BWK in Kooperation mit Trainerinnen von "Eine Welt der Vielfalt e. V." die Möglichkeit, an speziell für die jeweilige Zielgruppe konzipierten interkulturellen Trainings teilzunehmen.
Für Praktika insbesondere in der Türkei konnte das BWK die international operierende Metro AG gewinnen. Das BWK-Team bedankte sich bei den anwesenden Vertretern Dr. Annette Lemke und Jean-Pierre Schneuwly für ihre besondere Unterstützung. Erst in der vergangenen Woche hatten Jean-Pierre Schneuwly und Nihat Sorgec verschiedene Märkte der Metro Group in Istanbul besucht.
Pünktlich sein, den Anschluss nicht verlieren
Bedenken über die Durchführbarkeit der Ausbildung mit sozial benachteiligten Jugendlichen waren im Vorfeld insbesondere von der Industrie- und Handelskammer (IHK) gekommen. "Gerade die Ausbildung im Groß- und Außenhandel ist sehr anspruchsvoll", erklärte Katja Falkenberg. Die Ausbildungsberaterin im Team Handel der IHK Berlin appellierte daher an die Auszubildenden, Versäumtes immer nachzuholen und bei Problemen sofort um Hilfe zu bitten.
Tipps und gute Wünsche an die jungen Auszubildenden kamen von allen Gästen, so auch von Klaus P. Scharke, Schulleiter am OSZ Handel I. "Seien Sie neugierig", sagte er. "Und ganz wichtig gerade in Handelsberufen: Seien Sie pünktlich!"