"Frauen in blauer Latzhose sollten längst Alltag sein!"

21.04.2010: Girls Day im BWK BildungsWerk in Kreuzberg

Junge Frauen, insbesondere jene mit Migrationshintergrund, entscheiden sich für die immer gleichen typischen Frauenberufe. Dabei gibt es jede Menge vermeintlicher "Männerberufe", für die sich Frauen genauso eignen - und für die Frauen mit ihren sozialen Stärken sogar eine Bereicherung darstellen würden. Zum Girls Day am morgigen Donnerstag öffnet das BWK BildungsWerk in Kreuzberg die Türen seiner Metall- und Fahrradwerkstatt für Schülerinnen der Klassen 7 bis 9 - die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund.

"Es gilt, von den jahrhundertelang gefestigten Rollenzuschreibungen abzurücken", fordert BWK-Geschäftsführer Nihat Sorgeç. "Wer würde im 21. Jahrhundert noch bezweifeln, dass Frauen in diese sogenannten Männerberufe besondere Soft Skills einbringen, die der Gemeinschaft im Unternehmen und damit der Arbeit aller Mitarbeiter zugute kommen? Frauen in der typischen blauen Latzhose sollten längst Alltag sein!"

Dennoch: Nur zwei der 38 Auszubildenden in technisch-gewerblichen Berufen am BWK sind weiblich, beide mit deutschen Wurzeln: eine angehende Teilezurichterin und eine zukünftige Fahrradmonteurin. "Das sind beides Berufe, die weniger Kraft als Feinmotorik und Fingerspitzengefühl erfordern und sich damit für Frauen mindestens genauso gut eignen wie für Männer", so Sorgec, selbst gelernter Werkzeugmacher und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau. Er würde sich hier wesentlich mehr weibliche Auszubildende wünschen, genauso aber auch mehr Männer beispielsweise in den Schneiderberufen.

Nach Angaben von Elisabeth Schöppner, Projektleiterin des Girls Day, wählen mehr als die Hälfte der Mädchen mit Migrationshintergrund aus gerade mal vier Ausbildungsberufen aus. Dass sich die meisten jungen Menschen - Frauen wie Männer - insbesondere aus den unteren sozialen Schichten für die immergleichen Berufe entscheiden, liege daran, dass sie nur diese Berufe kennen, so Sorgec. "Man kennt nur das, was man sieht - beim Einkaufen, beim Friseur, beim Arzt oder im Fernsehen." Gerade im Fernsehen werden die bestehenden Rollenklischees noch verschärft, meint Sorgec. Den jungen Menschen fehle es in ihrem Umfeld an männlichen wie weiblichen Vorbildern aus allen Berufsbereichen.

Von den zehn Schülerinnen, die sich beim BWK angemeldet haben, um in die Metall- und Fahrradwerkstatt zu schnuppern, haben mindestens acht einen Migrationshintergrund. Sorgec hofft, zumindest eine von ihnen für die Arbeit in der Latzhose begeistern zu können.

Ansprechpartner:
>Nathalie Gehle

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